Fakten

Bürgerkrieg – wenn das Unnormale zum Normalen wird
In vielen angrenzenden Staaten bestimmten Kriegs- oder Bürgerkriegszustände den Alltag. Bis heute zieht das eine kaum vorstellbare Flüchtlingsproblematik nach sich. Die ausgeprägte Familienorientierung der malischen Bevölkerung hat zur Folge, dass es nicht unnormal ist, wenn eine Familie bis zu 20 Angehörige ihrer Familie aus anderen Ländern aufnimmt und sie über längere Zeit hinweg versorgt. Diese Menschen sind häufig extrem geschwächt, verletzt und ansteckend krank. Das führt zu einer zusätzlichen Belastung der normalerweise schon stark unterversorgten Bevölkerung.

Terror und seine Folgen
Mali galt bis zum Militärputsch im Jahr 2012 politisch und aufgrund regelmäßiger Wahlen als gelungenes Beispiel einer gelungenen Demokratisierung. Der Konflikt im Norden hat seine Krisenanfälligkeit aber deutlich zum Ausdruck gebracht. Das Land leidet bis heute vor allem unter der ausgeprägte Korruption in Regierung, Wirtschaft, bei den Sicherheitskräften und im Gesundheitswesen, sowie unter der Veruntreuung von Geldern aus der Entwicklungshilfe. So ist es bis heute eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder der Welt.

Der Krieg im Norden begann im Jahr 2012 und ging zunächst von der MNLA, einem Sammelbecken verschiedener Tuareg-Gruppen aus. Viele ihrer militärisch gut ausgebildeten Kämpfer kehrten mit schweren Waffen aus Libyen zurück und eröffneten den Terror im Norden von Mali. Innerhalb kurzer Zeit brach die politische und militärische Staatsmacht zusammen. Nicht zuletzt deshalb, weil viele Tuaregs in der malischen Armee zu den Rebellen überliefen und große Mengen an Ausrüstung und Waffen mitnahm, welche die USA der malischen Armee gelieferte hatte.

Von Anfang an waren bei der Rebellion eine bedeutende Anzahl von Kämpfern der islamistischen Organisationen MUJAO, al-Qaida und Ansar Dine beteiligt. Diese Islamisten verfolgten immer ihre eigenen Ziele und begannen schon im Juni 2012 die Tuaregs zu bekämpfen und die Scharia in den von ihnen eroberten Gebieten einzuführen. Die Ausdehnung des eroberten Territoriums über den Norden hinaus und die Drohung, Mali zu einem Afghanistan Afrikas zu machen, führte zur Intervention des Westens in Form starker militärischen Präsenz, zu der auch eine Einsatzgruppe der Bundeswehr gehört.

Spürbare Veränderungen
Obwohl die terroristischen Aktivitäten sich zunächst auf den Norden konzentrierten, erlebt auch der Süden und die Hauptstadt Bamako immer wieder gezielte Aktionen unterschiedlicher Milizen mit Anschlägen auf Militärstationen, öffentliche Gebäude und  Hotels. Man spürt das Klima der Verunsicherung, Angst und Depression überall Genau das ist ein Ziel der Djihadisten. Nicht selten waren wir bei Konsultationen mit unseren malischen Verantwortlichen die einzigen Gäste in unserer Unterkunft in Bamako. Viele Länder – auch das Auswärtige Amt in Berlin – haben Reisewarnungen ausgesprochen. Die unmittelbare Folge davon war, dass wir schon einige, konkret geplante medizinische Hilfseinsätze absagen mussten. Die Gefahr war einfach zu groß und die Verantwortung zu hoch. Viele Ausländer verlassen das Land und der Tourismus ist fast völlig zum Erliegen gekommen ist. Leider kehren auch jede Menge hoffnungsvolle junge Malier ihrem Land den Rücken. Sie sehen vor Ort keine Perspektiven mehr und versuchen wo auch immer „ihr Glück“. Das hat katastrophale Versorgungslücken zur Folge. Meistens bleiben Frauen mit ihren Kindern und alte Leute zurück, die mit der Verantwortung für die Familien in vielen Fällen komplett überfordert sind.